Reisebericht Marokko 2018

Reisebericht Marokko Geitschirmreise

In Aguergour fliegts toujours – Zu Deutsch: am Flieger Hotspot Marokkos fliegts immer!

Seien wir ehrlich, auf einer Flugreise geht’s ums Fliegen und da hat man in Aguergour nicht nur einen wunderschönen Platz in vorderster Reihe des Atlasgebirges gefunden, sondern auch einen fliegerisch hervorragend gelegenen. Auf unserer ersten Entdeckungsreise nach Marokko ging es jeden Tag in die Luft um die atemberaubende Schönheit dieses Landes aus der Vogelperspektive zu genießen. Ein echter Traum für entdeckungsfreudige Piloten.

Doch dazu später mehr – unsere Reise von Anfang an
Schon im Landeanflug auf Marrakesch werden wir von den prächtigen Farben dieses nordafrikanischen Landes willkommen geheißen. Ein violettes Blumenmeer umrahmt die Landebahn. Die Flughafenhalle ist riesig, der Marmor glänzt und nach der Passkontrolle geht es in die warme Frühlingssonne nach Draußen, wo auch schon das Shuttle wartet. Der Fahrer begrüßt uns mit Küsschen rechts und links. Französisch ist hier die zweite Amtssprache. Mit ein paar Brocken Englisch oder den bewährten Händen und Füßen, geht die Verständigung mit den herzlichen Marokkanern aber ebenso.

Hauptstadt Marrakesch – Stadt aus 1001 Nacht Einen Hauch von Marrakesch gibt’s beim Blick aus dem Autofenster zu erhaschen. Straßen so breit wie ich es nur aus US-Filmen kenne. Überall Neubauten und kleine Villen am Stadtrand. Die Infrastruktur hat sich in den vergangenen Jahren dank Wirtschaftswachstum weiterentwickelt erzählt man uns. Von den Schattenseiten des Landes, wie Armut oder politischen Konflikten sehen wir auf dem Weg zu unserem Ziel nichts. Weiter geht es über hügeliges weites Land zu einer besonderen Jahreszeit. Hier beginnt der Frühling etwas früher als in Deutschland und mehr und mehr werden aus den Braun- und Rottönen der Erde, grüne Wiesen mit fremden Blumen. Eine andere Welt nach nur drei Stunden Flugzeit. Kamele stehen unter Palmen am Straßenrand und Ziegenhirten ziehen über die Felder, ein See glitzert in der Ferne mit der goldenen Spitze eines Minaretts um die Wette. Die Straßen sind lang und geteert. Nur wenige kleine Dörfer liegen auf dem einstündigen Weg vom Flughafen zu unserem Ziel. Aguergour. Wir fahren auf einen Hof umsäumt von einem halbhohen Mäuerchen und einem schlafenden Wachhund und werden bereits von den Gastgebern in der großen Eingangstüre erwartet. Die mehrköpfige Familie begrüßt uns freudig. Von Anfang an überzeugen die Marokkaner mit ihrer Gastfreundschaft und man fühlt sich schnell „angekommen“ und wohl. In der Eingangshalle machen wir Europäer große Augen. Ein prächtiger Orangenbaum steht mitten im Innenhof vollgepackt mit dicken, duftenden Orangen und das im Februar! Im Garten erwarten uns weitere Überraschungen. Auch der Zitronenbaum ist prächtig bestückt und ein kleiner Brunnen plätschert romantisch vor sich hin.
Nach einem Begrüßungstee mit Marokkanischer Minze und dem Gepäckverstauen in den kleinen Gästezimmern geht’s erst mal rauf auf den Berg. Der Weg zum Startplatz ist bequem. Mit dem Jeep geht’s auf Serpentinen an schönen Lehm- und Steinhäusern vorbei, bis in ein kleines Dörfchen mit Tante-Emma-Laden. Von da aus gehen wir zu Fuß. Der Gleitschirm darf bis zum Startplatz im Jeep mitfahren. Auf das Geschaukele auf dem steinigen Weg können wir aber gerne verzichten und genießen auf den letzten Metern lieber den Blick ins Atlasgebirge. Große weiße Gipfel reihen sich aneinander, während wir durch die ersten Blumen des Frühlings nach oben stapfen. Ein fetter Windsack und ein kleines Haus mit Toilette stehen am gut präparierten Startplatz. Keine Bäume und eine schöne Hangneigung versprechen gute Starts. Von hier aus, entdecken wir auch den Landeplatz, die französische Flugschule gibt hier sogar A-Scheinkurse. Ein paar aufgebrannte Engländer sind mit einer Reisegruppe zum Fliegen da und trinken Tee. Der erste Start ist gechillt, der Wind steht gut an, optimale Bedingungen um den Rückwärtsstart weiter zu verfeinern. Und es soart an der langen Bergflanke 😊 Ein paar Piloten sind in der Luft und zeigen wo’s hochgeht. Jedoch kommt man sich hier kaum in die Quere. Der Ausblick ist herrlich. Weitere Dörfer mit kleinen Stadtmauern, Hinterhöfen und Gärten sind zu sehen, ein kleines Schloß mit Thermikbart und wieder; viele Farben. Wir saugen die ersten Eindrücke in uns auf und gehen Landen. „Bonjour Madame“, ein paar Nachbarskinder fragen brav ob sie beim Schirmzusammenlegen helfen dürfen. Der Landeplatz, was will man mehr, liegt direkt neben unserer Unterkunft. Wer seinen neuen Schirm nicht auf der Erde zusammenlegen möchte kann dies also auch auf den marokkanischen Fliesen im Innenhof erledigen. Wir entdecken die Dachterrasse unserer Unterkunft und können von dort aus Start- und Landeplatz sehen auf denen sie gerade groundhandeln. Um den Innenhof mit Orangenbaum liegen weitere Gästezimmer sowie die Gemeinschaftsduschen und WC´s. Die Zimmer haben alles was man braucht. Ein kleines Fenster, ein Schränkchen mit Spiegel, Stromanschluss fürs Handy und keinen(!) Fernseher, der meiner Meinung nach im Urlaub sowieso überflüssig ist. Zum Fernsehschauen bleibt ohnehin kaum Zeit, im Gemeinschaftsraum wartet das Abendessen. Wir sitzen an tiefen Tischen auf kleinen Hockern oder bequem auf dem Sofa. Aus den Tajine, die traditionellen Kochtöpfe aus Ton, duftet Hähnchen mit Gemüse und Nüssen. Dazu gibt’s Tomatensalat mit Orangenblüten und frisch gebackenes Brot. Als Nachspeise Erdbeeren und Bananen und natürlich Tee der schön wärmt. Abends wird es frisch, die Nächte sind sternenklar und es ist eben doch erst Frühling. Ein warmer Schlafanzug für die Nacht ist also nicht unangebracht, denn neben dem Fernseher fehlt auch eine Heizung. Frühstück gibt’s um halb 9 draußen in der Sonne. Mit Caffè, Tee und frisch gepresstem Orangensaft der unglaublich gut schmeckt. Zum Essen, kein Hotelbuffet Einheitsbrei sondern frisch gebackener Pfannkuchen marokkanischer Art mit Honig, Erdbeermarmelade und Frischkäse. Danach geht’s wieder zum Fliegen. Alles ganz gemütlich in sanfter Thermik. Wer will, geht Landen oder fährt nochmal rauf. Mittagessen gibt es in einem der Gasthäuser in der Umgebung, die alle ähnlich dem Haus (Riad) unserer Gastgeber gebaut sind. Überall sitzt man im Garten im Innenhof und wird von der hervorragenden marokkanischen Küche verwöhnt und das für wenig Geld. 60 Dirham kostet die Einkehr, umgerechnet keine 6 Euro. Die nächsten Tage verbringen wir meist in der Luft, bis der Wind am vierten Tag dann schließlich doch mal dreht. Die Gelegenheit ein anderes Fluggebiet zu erkunden: M´Zouda!

M´Zouda – blühende Schönheit – neue Eindrücke
Wir fahren rund eine Stunde über schmale geschlängelte Teerstraßen, an Eseln, Kamelen, Dörfern, einem Staudamm, Palmen, Schafherden und den weißen Gipfeln des Gebirges vorbei, shoppen beim Zwischenstopp in einem Dorf etwas für die Brotzeit. Dann geht’s zum Landeplatz. Wir stehen in einem breiten ausgetrockneten Flussbett. Das soll der Landeplatz sein?! Daneben duften Blumen auf einer saftigen grünen Wiese um die Wette. Aber die Olivenbäume halten, zumindest mich, davon ab auf dieser Wiese landen zu wollen. Dann also doch im Flussbett. Der Startplatz ist „baumfrei“ und ebenfalls schulungstauglich. Die Aussicht und das Fluggelände sind wunderschön und die Thermik sanft und wir können uns eine Zeitlang Oben halten. Der Endanflug über dem Flussbett ist lang und einfacher als gedacht. „Bravo“ und Applaus, gibt’s für meine Landung von den staunenden Kindern am Fußballbolzplatz nebenan. Zum Abschluss des traumhaften Flugtages lassen wir uns noch durch die Töpferei direkt neben dem Landeplatz (oder Landefluss?!) führen. Dort werden in Hand- und Fußarbeit Tajine getöpfert. Wir erwerben eine für umgerechnet 1,50 Euro (150 DH)! Auf dem Heimweg halten wir für den Sonnenuntergang nochmal an, machen natürlich Fotos und genießen die tolle Abendstimmung über dem weiten Land.

Der letzte Morgen in Marokko beginnt zum ersten Mal mit Frühstück unter Dach. Draußen ist es viel zu windig und es regnet ordentlich. Die vergangenen 6 Tage ging es jeden Tag und den ganzen Tag zum Fliegen. Mal mit Thermik, mal zum Soaren, mal ein Abgleiter in der Abendsonne. Eine kleine Zwangsverschnaufpause kommt gerade recht. Jetzt ist Zeit zum Füße hochlegen und endlich mal ein paar Zeilen im mitgebrachten Buch zu lesen. Am Nachmittag reißt es dann doch auf und das französische Sprichwort behält recht: In Aguergour fliegts tousjours. Am Abend heißt es Abschied nehmen und am Flughafen angekommen, planen wir bereits wieder zu kommen. Das Essen, die Landschaft, die Blumen, die freundlichen Menschen, die Orangen… so viele Eindrücke bringen uns zum Schwärmen und es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Gerne Marokko, nächstes Jahr sehen wir uns wieder!