XC-Training II – Starke Gruppe auf der Südseite

Nur zwei Wochen nach unserem ersten XC-Training ging es Ende Juli erneut an die Alpensüdseite. Dort, wo Talwind und Thermik aus der gleichen Richtung kommen. Diesmal waren Marc Wensauer und Sepp Strobl mit einer motivierten Gruppe in den Fluggebieten Bassano, Feltre und Revine unterwegs.

Die Anreise begann allerdings mit einer Geduldsprobe: Brenner-Stau, zähfließender Verkehr und gefühlt jede Baustelle Italiens. Im Hotel Tilly’s angekommen, wurden wir direkt von einem kräftigen Gewitter begrüßt – perfektes Timing. Also blieb genug Zeit für das erste Briefing und die Planung der kommenden Flugtage.

Tag 1 – Gleich mal Butter bei die Fische

Am ersten Tag wollten wir gar nicht lange fackeln und starteten direkt am Wettkampfstartplatz Col Campeggia. Die Aufgabe: erst Richtung Piave, dann zurück, über die Brenta und weiter bis zum Cima Grappa. Zum Abschluss ging es in einem großen Bogen übers Flachland zurück nach Bassano.

Alle meisterten die Aufgabe souverän und schon nach den ersten Kilometern war klar: Die Truppe ist motiviert, fliegt sauber und hat Lust auf mehr.

Den Abend ließen wir – wie es sich gehört – in der Fliegerbar Alpenwind ausklingen. Bei Pizza, Pasta und kalten Getränken wurde schnell klar: Das war erst der Anfang.

Tag 2 – Dolomitenpanorama und italienische Gastfreundschaft

Am zweiten Tag stand Feltre auf dem Programm. Schließlich gehört zu einem guten XC-Training nicht nur Strecke machen, sondern auch verschiedene Fluggebiete kennenzulernen und die Besonderheiten jedes Geländes zu verstehen. Gerade Thermik, Linienwahl und effizientes Gleiten fühlen sich hier ganz anders an als in Bassano.

Vor der traumhaften Kulisse der südlichen Dolomiten wartete gleich die erste Herausforderung: der Sprung in die hohen Berge. Die meisten Teilnehmer mussten sich geschlagen geben – Feltre zeigt eben schnell, wo die eigenen Grenzen liegen.

Nur ein Teilnehmer folgte Sepp auf der klassischen Feltre-Route Richtung Belluno und wieder zurück. Der Rest nutzte die Zeit sinnvoll, fuhr noch einmal zum Startplatz und sammelte mit Toplandungen und kleineren Strecken wertvolle Erfahrungen im Fluggebiet.

Spätestens am Landeplatz war die gute Laune zurück. Der herzliche Empfang durch den örtlichen Fliegerclub sorgte für beste Stimmung – und das kulinarische Highlight der Woche am Abend setzte dem Tag die Krone auf. Den Restaurant-Geheimtipp gibt’s allerdings nur direkt vom Fluglehrer…

Tag 3 – Timing ist angesagt

Der dritte Tag begann etwas unerwartet: Statt Sonnenschein wurden wir morgens von einem kräftigen Gewitter geweckt – in keiner Wetterprognose war davon die Rede. Also hieß es erst einmal: entspannt frühstücken und den Vormittag sinnvoll nutzen.

Auf dem Programm standen Theorieeinheiten rund ums Streckenfliegen: Fliegen nach MacCready oder doch lieber langsam, sicher und mit Höhenreserve? Außerdem ging es darum, das eigene Fluggerät besser zu verstehen und dessen Leistung optimal zu nutzen.

Am Nachmittag war dann vor allem eines gefragt: perfektes Timing. Wir erwischten genau die richtige Wetterlücke und konnten eine wunderschöne Flachlandrunde bis Asolo und über Bassano zurück fliegen. Kaum gelandet, zog auch schon das nächste Gewitter auf.

Besser hätte man diesen Tag kaum nutzen können – wir haben definitiv das Maximum aus den Bedingungen herausgeholt.

Tag 4 – Die Königsetappe

Am vierten Tag wartete das Highlight der Woche. Nach etwas Wettertüftelei und organisatorischem Aufwand ließen wir uns rund zwei Stunden nach Revine shutteln. Der Plan war so einfach wie ambitioniert: Zurück nach Bassano fliegen.

Die Strecke hatte es in sich. Vor allem der lange Sprung über die Piave verlangte eine gute Linienwahl und sauberes Timing. Danach wurde es im Flachland mit Nordwestwind und großen Abschattungen nicht einfacher – Thermik war Mangelware und jeder Höhenmeter musste hart erarbeitet werden.

An diesem Tag waren alle gefordert. Teilnehmer wie Fluglehrer arbeiteten als Team zusammen, gaben sich gegenseitig Tipps und unterstützten sich bei der Routenwahl. Genau das machte am Ende den Unterschied: Gemeinsam schafften es alle zurück nach Bassano.

Einer der Teilnehmer hatte danach sogar noch nicht genug. Statt zu landen, hängte er noch eine Schleife nach Westen dran und erweiterte sein Flachdreieck auf knapp 80 Kilometer. Chapeau – eine starke Leistung!

Tag 5 – Entspannter Ausklang

Nach vier intensiven Flugtagen war am letzten Tag bei allen ein wenig die Luft raus – verständlich nach so vielen Stunden in der Luft.

Da Feltre ohnehin auf dem Heimweg lag, machten wir dort noch einen letzten Stopp. Und wir hatten Glück: Trotz der schwierigen Wetterlage fanden wir ideale Windbedingungen vor. Perfekt für entspanntes Soaren, ein paar saubere Toplandungen und den einen oder anderen letzten Feinschliff an der Flugtechnik.

Ein ruhiger, entspannter Abschluss einer Woche mit vielen Kilometern, neuen Erfahrungen und jeder Menge Flugspaß. Genau so darf ein XC-Training zu Ende gehen.

Fazit

Genau solche Wochen machen als Fluglehrer richtig Spaß. Kleine Gruppen, motivierte Piloten und Teilnehmer, die ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen, bereit sind, sich fordern zu lassen und auch mal einen kleinen Schubs aus der Komfortzone annehmen.

Wenn dann alle als Team zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen und am Ende mit einem breiten Grinsen landen, weiß man, warum man diesen Job macht.

Irgendwie ist es schon witzig: Eine Woche lang begleitet man erfahrene Streckenflieger bei anspruchsvollen XC-Aufgaben, diskutiert Flugtaktik, Wetter und MacCready – und kaum ist man wieder über den Brenner, wartet zuhause schon der nächste Grundkurs. Wieder bei null. Wieder die ersten Aufziehübungen, die ersten Hüpfer und die ersten Starts.

So ist das Fluglehrerleben. Und ganz ehrlich? Genau deshalb wird es nie langweilig.
Nur eine Frage bleibt: Gehen wir jemals auf die Grente???