Regen, Sturm – und trotzdem auf XC

Eine schwierige Wetterlage mit Regen und Sturm zwang uns, für unser fünftägiges XC-Training weiter nach Süden auszuweichen. Statt auf besseres Wetter zu warten, trafen sich unsere beiden Streckencracks Rafael und Sylvia mit sechs motivierten Teilnehmern in Bassano. Bei dieser Wetterlage war es das einzig wirklich sinnvolle Fluggebiet – und wie sich später zeigte, genau die richtige Entscheidung.

Alle Teilnehmer verfügten bereits über viele Jahre Flugerfahrung und hatten auch schon erste oder weiterführende Streckenflüge absolviert. Trotzdem wollten sie ihre Fähigkeiten verbessern, neue Flugrouten kennenlernen und zusätzliche Sicherheit beim Streckenfliegen gewinnen. Rekorde standen nicht im Vordergrund. Viel wichtiger waren der gemeinsame Spaß, neue Erfahrungen und der Wunsch, am Ende des Trainings etwas dazugelernt zu haben.

Die Brenta als erste Herausforderung

Die erste große Aufgabe bestand darin, die Brenta zu queren. Entlang der bekannten Ridge zu fliegen, kannten die meisten Teilnehmer bereits. Dieses Mal sollte jedoch der Sprung über das Tal gewagt werden. Erschwert wurde die Aufgabe durch einen kräftigen Westwind, der die geplanten Routen deutlich anspruchsvoller machte.

Rafael flog als Thermikschnüffler voraus, suchte nach den besten Aufwinden und gab über Funk Hinweise zu guten Linien und ungünstigen Bereichen. Sylvia bildete das Rücklicht der Gruppe und unterstützte diejenigen, die den Anschluss verloren oder eine alternative Route wählen mussten.

Da sich noch nicht alle Teilnehmer vollständig eingeflogen hatten und die Bedingungen anspruchsvoll waren, hielten wir die Aufgabe am ersten Tag bewusst überschaubar. Einige entschieden sich nach einer gewissen Zeit zur Umkehr oder zur Landung. Auch beim XC-Fliegen gilt: Die eigene Tagesform und die persönlichen Grenzen sind wichtiger als ein vorgegebenes Ziel.

Trotz der schwierigen Wetterlage waren wir mit dem ersten Tag sehr zufrieden. Die Gruppe hatte bereits wertvolle Erfahrungen gesammelt. Am Nachmittag folgten eine ausführliche Wetteranalyse, die Besprechung der Flüge und die Planung einer größeren Aufgabe für den folgenden Tag.

Nicht jeder Talsprung gelingt beim ersten Versuch

Dass die Querung der Brenta besonders bei Gegenwind nicht einfach ist, zeigte sich schon beim nächsten Versuch. Obwohl Rafael und Sylvia vorausflogen, konnten nicht alle Teilnehmer genügend Höhe mitnehmen, um auf der anderen Talseite sicher wieder aufzudrehen.

Auch beim erneuten Anlauf am folgenden Tag schafften einige Piloten den Sprung nicht. Selbst Sylvia musste im Brentatal landen. Solche Außenlandungen gehören zum Streckenfliegen dazu und liefern häufig besonders wertvolle Erkenntnisse für die nächste Flugplanung.

Die drei Außenlander fuhren anschließend mit dem Shuttle noch einmal zum Startplatz und wurden mit einem schönen Flachlandflug über Bassano belohnt. Andere Teilnehmer hatten die schwierige Situation rechtzeitig erkannt, waren vor der Querung umgedreht und verlängerten ihre Flüge mit Rückenwind in die entgegengesetzte Richtung.

Rafael und Arthur wagten später zusätzlich den östlichen Talsprung über die Piave. Sie flogen beinahe bis Belluno und erreichten mit rund 86 Kilometern die weitesten Flüge des Tages.

Am Abend wurden die Tracks in der 3D-Analyse genau ausgewertet. Gemeinsam betrachteten wir Fluglinien, Höhenwahl, Thermikentscheidungen und mögliche Verbesserungen. Daraus entstanden neue Aufgaben und konkrete Ziele für den nächsten Flugtag.

Traumhafte Kulisse am Monte Avena

Nachdem sich das Wetter endlich etwas stabilisiert hatte, konnten wir am letzten XC-Tag nach Feltre fahren. Am Monte Avena wartet ein bekanntes Flugdreieck, das nicht nur fliegerisch interessant ist, sondern auch landschaftlich einiges zu bieten hat.

Zerklüftete Felsen, zahlreiche kleinere Talsprünge und eindrucksvolle Gipfel entlang des weitläufigen Tales machten diesen Flug zu einem besonderen Erlebnis. Dieter strahlte nach der Landung über beide Ohren und erklärte ihn zum bislang schönsten Flug seines Lebens. Gemeinsam mit Sylvia und einem weiteren Teilnehmer war er die geplante Strecke geflogen und konnte die beeindruckende Aussicht in vollen Zügen genießen.

Genau dafür sind solche Trainings gedacht: neue Herausforderungen annehmen, gute Entscheidungen treffen, gemeinsam unterwegs sein und am Ende mit einem besonderen Erlebnis landen.

Sommer, italienisches Essen und gute Stimmung

Auch abseits der Flüge hatten die fünf Tage einiges zu bieten. Sommerliche Temperaturen, italienisches Lebensgefühl und gutes Essen sorgten für die passende Urlaubsstimmung. Nach den intensiven Flugtagen ließen wir die Abende gemeinsam ausklingen, sprachen über die Erlebnisse des Tages und schmiedeten Pläne für die nächsten Aufgaben.

Trotz der zunächst schwierigen Wetterlage konnten wir viele lehrreiche und abwechslungsreiche Flüge erleben. Nicht jede geplante Strecke wurde vollständig geschafft – doch genau darin liegt der Wert eines XC-Trainings. Die Teilnehmer lernten, Situationen besser einzuschätzen, rechtzeitig umzudrehen, Alternativen zu erkennen und selbstständig gute Entscheidungen zu treffen.

Am Ende hatten wir unser Ziel erreicht: fünf sommerliche Tage mit viel Flugerfahrung, neuen Strecken, wertvollen Erkenntnissen und jeder Menge Spaß.