Frauenpower in Greifenburg – fünf Tage Fliegen, Lernen und gemeinsam wachsen

Wie immer war es eine ganz besondere Energie, die unsere Girlsgruppe ausmachte. 

Zehn Teilnehmerinnen und zwei Fluglehrerinnen – also zwölf Powerfrauen mit dem Gleitschirm unterwegs. Vom ganz frischen A-Schein bis zu deutlich mehr Flugerfahrung war alles dabei. Junge Frauen genauso wie Frauen mit mehr Lebenserfahrung. Flachland- und Windenfliegerinnen trafen auf Urlaubsfliegerinnen, Großstadtkatzen auf Bergsteigerinnen und Sportskanonen.

So unterschiedlich unsere Lebenswelten, Erfahrungen und Persönlichkeiten auch waren, die weibliche Energie ließ uns mit Empathie, gegenseitiger Unterstützung und Verständnis schnell zu einer Einheit werden.

Das merkten wir schon beim ersten Kennenlernen am Landeplatz in Greifenburg. Wir nahmen uns bewusst Zeit, ein bisschen mehr über jede Einzelne zu erfahren: Was bringt sie mit? Was möchte sie lernen? Wo liegen vielleicht Unsicherheiten oder Sorgen?

Thermikfliegen und endlich die 15 Kilometer B-Schein Strecke schaffen. Die Angst, in der Thermik nicht mehr runterzukommen. Souveräner starten. Das Gefühl genießen, einmal nicht die einzige Fliegerfrau weit und breit zu sein. Oder einfach fünf Tage lang eine richtig gute Zeit haben.

All das kam zur Sprache – und sollte in dieser Woche seinen Platz bekommen.

Und den bekam es auch.

Greifenburg bescherte uns fünf Tage mit täglichem Flugwetter. Die Thermikbedingungen machten es uns allerdings nicht immer leicht. Oft ging es erst sehr spät und schwach los, bevor es im Laufe des Tages kräftig und windig wurde.

Also nutzten wir die Bedingungen zunächst, um an der Flugtechnik zu feilen und sich „einzufliegen“. Ohren anlegen, Nicken, Achten fliegen und andere Übungen standen auf dem Programm und brachen Selbstvertrauen. Dazu Start- und Landeplatz kennenlernen und sich wieder darauf einlassen, einer Stimme im Funkgerät zu vertrauen.

Vorfreude und Aufregung lagen am ersten Tag gleichermaßen in der Luft. Dank unserer eigenen Shuttles mussten wir uns nicht unbedingt am überlaufenen Hauptstartplatz ins Getümmel stürzen, sondern konnten uns etwas mehr Ruhe und Privatsphäre gönnen.

So begann die Woche mit ein paar entspannten Flügen zum Eingrooven – und endete am Abend mit weiterem Kennenlernen beim gemeinsamen Essen.

In den nächsten Tagen wuchs die Gruppe immer mehr zusammen und jede machte ihre ganz eigenen Fortschritte.

Weniger gestresst vor dem Start sein. Einen B-Stall fliegen. Höhe in der Thermik machen. „Aktiv fliegen“ endlich wirklich verstehen. Sich von Luft und Gleitschirm nicht mehr nur herumschubsen lassen, sondern selbst die Zügel in die Hand nehmen.

Die Ziele waren ganz unterschiedlich – und trotzdem verbanden sie uns alle.

Zwölf Fliegerfrauen auf einem Haufen fallen natürlich auch am Startplatz auf. Und tatsächlich erzählten uns einige Freiflieger, dass die positive, entspannte und fröhliche Energie unserer Mädelstruppe sogar auf die anderen Piloten ausgestrahlt habe. Mehr Gelassenheit, mehr Freude, weniger Stress am Startplatz.

Vielleicht lag es aber auch an den lautstarken Backstreet-Boys-Gesängen und anderen Klassikern, die aus unserem „Partyshuttle“ auf dem Weg nach oben über den Berg schallten.

Ein bisschen Spaß muss schließlich sein.

Wer mit Sylvia und Tanja als Fluglehrerinnen unterwegs ist, kommt jedenfalls nicht ganz darum herum, dass zwischendurch auch einmal getanzt und gesungen wird.

Denn auch das gehört für uns zum Fliegen: das Leben genießen. Den Flug genießen. Die Aussicht genießen. Sich für die Erfolge der anderen freuen.

Und vielleicht auch lernen, ein bisschen freundlicher mit sich selbst umzugehen. Nicht nach jedem Flug zuerst nach den Fehlern zu suchen, sondern auch wahrzunehmen, was gut gelaufen ist und worauf man stolz sein darf.

So konnten wir aus diesen fünf Tagen wieder unglaublich viel herausholen – nicht nur fliegerisch. Es ging auch um Selbstvertrauen, neue Perspektiven, gegenseitige Unterstützung und viele kleine Learnings, die unsere Mädels bei ihren nächsten Flügen begleiten werden.

Ganz besonders gefreut haben wir uns über Maggie. Während des Trainings klappte es mit ihren ersehnten 15 Kilometern nicht. Aber direkt am Tag danach packte sie die Strecke ganz allein für sich an – und flog sie.

Wir freuten uns über die Nachricht von Ina, die gut zuhause angekommen schon davon schrieb, wie sehr sie sich darauf freut, ihre neuen Flugfreundinnen wiederzusehen.

Und über Frieda, die uns nach ihrem nächsten Flug schrieb, dass sie sich am Landeplatz nach der Mädels-Gang sehnte. 

Genau deshalb lieben wir diese Trainings.

So unterschiedlich unsere Lebenswelten, Erfahrungen und Persönlichkeiten auch sind haben wir doch alle so viel gemeinsam. Wir konnten uns in die anderen hineinversetzen, offen über Unsicherheiten, Ängste und Freude sprechen und vor allem zulassen, dass beim Fliegen nicht nur Technik eine Rolle spielt. Gefühle und Fliegerisches brauchen nicht voneinander getrennt werden – sie dürfen zusammengehören. 

Wir freuen uns darauf, auch im nächsten Jahr wieder exklusive Frauentrainings anzubieten, Fliegerinnen zusammenzubringen und diese besondere weibliche Energie zu nutzen, anstatt sie kleinzuhalten.

Weiter so, Mädels, wir sind stolz auf euch und Danke für diese wundervolle Flugwoche.

Alles Liebe und schöne Flüge
Sylvia alias Zylle
zusammen mit ihrer wundervollen Kollegin Tanja