Über 3.000 Meter hoch über den Dolomiten, mächtige Felswände direkt vor Augen und Flüge, von denen man noch lange erzählt: Unsere Dolomitenreise war auch in diesem Jahr wieder ein echtes Highlight – für unsere Teilnehmer genauso wie für die Fluglehrer Rafael und Sylvia.
Besonders gefreut haben wir uns über die Entwicklung unserer drei „Youngstars“ Melli, Tim und Christian. Alle drei haben erst im vergangenen Jahr ihren A-Schein gemacht – und durften nun schon ihre ersten großen Thermikflüge in den anspruchsvollen Dolomiten erleben. Teilweise ging es auf über 3.000 Meter. Dort oben eröffnet sich ein Blick über diese gewaltige Gebirgslandschaft, die Fotos eigentlich kaum wiedergeben können.
Aber auch unsere erfahreneren Piloten kamen voll auf ihre Kosten. Obwohl die Wetterprognosen für diese Woche zunächst nicht gut aussahen. Umso schöner war es, wie viele gute Flugfenster wir am Ende nutzen konnten.
Erst einmal ankommen – und den Schirm wieder richtig spüren
Am ersten Tag unseres Trainingscamps trafen wir uns am Landeplatz in Corvara. Nach einer Vorstellungsrunde und Wetterbriefing war schnell klar: Der Nordföhn würde uns an diesem Tag nicht in die Luft lassen.
Also machten wir das Beste daraus.
Beim Groundhandling konnten alle erst einmal wieder richtig mit ihrem Schirm „warm werden“. Rückwärtsstarten üben, Schirmgefühl auffrischen, kleine Fehler erkennen und Bewegungsabläufe verbessern – genau das war die richtige Vorbereitung für die kommenden Flugtage.
Denn gerade in den Bergen zeigt sich immer wieder: Wer seinen Schirm am Boden souverän beherrscht, hat auch in der Luft mehr Kapazität für die wirklich wichtigen Dinge.
Wunschmanöver, Landetraining und die erste Thermik
Am zweiten Tag ging es endlich in die Luft. Wir nutzten zunächst das Fluggebiet direkt vor Ort.
Da der Vormittag thermisch noch ruhig war, eigneten sich die ersten Flüge perfekt für individuelle Trainingsinhalte. Eine Teilnehmerin wollte beispielsweise nach einem Klapper, den sie zuvor in „freier Wildbahn“ erlebt hatte, bewusst Klapper üben um wieder Sicherheit gewinnen.
Andere nutzten die Flüge zum Ohrenanlegen oder arbeiteten an ihrer Landeeinteilung und einem präziseren Endanflug.
Später begann die Thermik besser zu tragen. Nun hieß es: zentrieren, dranbleiben und Höhe gewinnen. Auch unsere weniger erfahrenen Piloten konnten bereits erste längere Thermikphasen nutzen und das Fluggebiet aus einer ganz neuen Perspektive entdecken.
Vom Sellajoch ins nächste Tal
Der dritte Tag wurde dann zu einem dieser Flugtage, die man vermutlich nicht so schnell vergisst.
Gleich zwei Fluggebiete standen auf dem Programm. Zunächst starteten wir am Sellajoch und flogen von dort in das nächste Tal. Ein bisschen fühlte es sich tatsächlich nach Biwakfliegen an – nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass wir abends wieder bequem im Hotel schlafen und uns morgens am Frühstücksbuffet bedienen konnten.
Spannend war der Flug trotzdem. Unseren ersten Landeplatz hatten wir zuvor lediglich anhand von Karten und Satellitenbildern besprochen. Sylvia unsere Fluglehrerin flog deshalb voraus, checkte Flugweg und Landung und unterstützte anschließend die Gruppe per Funk.
Über Felsen, Alm- und Wildblumenwiesen und bewaldete Hänge ging es hinüber ins Nachbartal.
Dort sammelten wir uns wieder und fuhren gemeinsam weiter zum nächsten Startplatz: dem Belvedere.
3.000 Meter über den Dolomiten
Schon der Startplatz selbst ist beeindruckend. Die mächtigen Felswände der Langkofelgruppe stehen scheinbar zum Greifen nah, und egal in welche Richtung man schaut, entdeckt man neue Gipfel, Täler und Felsformationen.
Doch diesmal sollte es nicht beim schönen Ausblick vom Boden bleiben.
Die Thermik funktionierte richtig gut. Auch unsere noch jungen Piloten konnten mit etwas Unterstützung über Funk aufdrehen und immer weiter Höhe gewinnen. Schließlich waren sie auf rund 3.000 Metern über dieser unglaublichen Landschaft.
Für einige war es der bislang schönste Flug ihres Lebens wie wir später beim gemeinsamen Pizzaessen erfuhren.
Genau solche Momente sind es, die das Gleitschirm-Trainingscamp in den Dolomiten so besonders machen: Man startet mit Respekt und vielen Fragen – und findet sich kurze Zeit später hoch über den Felsen wieder, konzentriert auf den nächsten Bart und gleichzeitig völlig überwältigt von der Landschaft unter einem.
Für die Streckenflieger durfte es noch etwas weiter gehen
Zwei unserer Teilnehmer brachten bereits Streckenflugerfahrung mit und nutzten die Bedingungen für größere Ausflüge.
Julian flog bis zur Marmolata – bekannt vielen Gleitschirmfliegern auch aus dem Film „Der glückliche Ikarus“ – und anschließend weiter bis in Richtung unserer Unterkunft.
Peter nutzte die Thermik entlang des Sellastocks und flog ebenfalls zurück zum Hotel.
Beim gemeinsamen Pizzaessen am Abend blickten wir schließlich in Gesichter mit etwas Sonnenbrand – aber vor allem mit ziemlich breitem Grinsen.
Spätestens jetzt waren wir uns einig: Die Reise hatte sich bereits gelohnt.
Schlechte Prognose – schöner Flugtag
Der folgende Tag sah auf den ersten Blick deutlich weniger vielversprechend aus. Im DHV-Wetterbericht zeigte der Daumen nach unten.
Wir wollten den Tag trotzdem noch nicht abschreiben.
Den Vormittag nutzten wir zunächst für Theorie: Wetter, Flugtechnik, Entscheidungsfindung und die Frage, welche Bedingungen wir später tatsächlich vor Ort vorfinden würden.
Am Nachmittag ging es wieder zu unserem Fluggebiet am Boè.
Die Thermik ließ sich zunächst Zeit, doch der Tag entwickelte sich besser als gedacht. Die tief stehende Sonne färbte die rotgelben Felsen warm, während einzelne Sonnenstrahlen durch die Wolken brachen. Plötzlich lag über den Dolomiten eine fast dramatische Stimmung.
Für manche blieb es an diesem Nachmittag bei einem schönen Abgleiter. Andere konnten sich länger halten und zwei Piloten gelang es sogar noch einmal, richtig aufzudrehen.
Einer unserer Teilnehmer nutzte die Gelegenheit für einen weiteren Streckenflug entlang der Dolomiten und kam auf seiner Runde sogar beinahe wieder vollständig zurück.
Nach der eher verhaltenen Prognose war das eine ziemlich schöne Überraschung.
Und selbst der letzte Tag schenkte uns noch einen Flug
Der Blick auf die Wetterkarten für unseren letzten Tag war zunächst noch ernüchternder: tiefe Bewölkung, zunehmende Wolken und Regen am Nachmittag.
Aber auch diesmal waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort dank dem guten Wettergespür von unserem Dolomiten Experten Rafael.
Zwischen tiefen Wolkenfetzen und einzelnen Sonnenstrahlen öffnete sich noch einmal ein Flugfenster. Die Landschaft zeigte sich dabei von einer ganz anderen Seite als an den sonnigen Tagen zuvor – wilder, mystischer und fast ein wenig unwirklich.
So bekamen wir zum Abschluss unserer Gleitschirmreise tatsächlich noch einmal schöne Flüge geschenkt.
Und vielleicht war genau diese Woche ein gutes Beispiel dafür, was Gleitschirmfliegen in den Dolomiten ausmacht: Nicht jeder Tag muss ein perfekter Hammertag sein. Entscheidend ist, Wetter und Bedingungen richtig einzuschätzen, flexibel zu bleiben und die passenden Möglichkeiten zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen.
Vom A-Schein zu den ersten großen Bergflügen
Für uns als Flugschule ist es besonders schön zu sehen, wie sich Piloten weiterentwickeln.
Vom Groundhandling über Flugtechnik und Thermiktraining bis zu den ersten größeren Flügen in alpinem Gelände: In wenigen Tagen können unglaublich viele neue Erfahrungen zusammenkommen.
Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell möglichst weit oder hoch zu fliegen. Viel wichtiger ist, dass jeder Pilot Schritt für Schritt mehr Sicherheit gewinnt, die eigenen Möglichkeiten realistisch einschätzen lernt und sich in anspruchsvolleren Fluggebieten zunehmend selbstständig bewegen kann.
Oder, wie es einer unserer Teilnehmer nach seinen Flügen so schön zusammenfasste:
„Ich hätte mich als Anfänger selbst nie in die Dolomiten getraut, weil ich das Fluggebiet immer als sehr anspruchsvoll gesehen habe. Dass ich hier dank euch nun solche Flüge erleben durfte, ist einfach der Wahnsinn!“
Genau deshalb machen wir diese Trainingsreisen.
Wir freuen uns sehr, dass wir euch die Dolomiten aus der Luft ein Stück näherbringen durften, und bedanken uns für diese besonderen Tage miteinander.
Wir sehen uns hoffentlich bald wieder am Brauneck, bei einem unserer nächsten Trainingscamps – oder erneut in den Dolomiten.
Einige haben jedenfalls schon „angedroht“, nächstes Jahr einfach wieder mitzukommen.
Liebe Grüße Sylvia & Rafael

















